Saïd Kahla  
Algerische Jugend, Studium und Berufserfahrung in Algerien und Deutschland - diese Stationen im Lebensweg des in Frankreich geborenen Arztes hinterlassen kulturelle Spuren, das Kapital, mit dem er als Maler heute arbeitet. Seine Bildästhetik zeigt Vielfalt: Anklänge arabischer Ornamentik als kleine Fenster innerhalb großzügiger Farbfelder verdichten sich beim ersten Blick zu Stadtlandschaften. Die fast graphischen Anordnungen stammen aus der Übermalung, die gezielt Teile des farbstarken, expressiv ausgeführten Untergrundes stehenlässt. Im folgenden ebenfalls aus dem Prozeß schöpfenden Arbeitsschritt setzt der Maler meist rechtwinklig geführte Farbbahnen über den Bildgrund, die sich zur Fläche zusammenschließen. In hartem Kontrast entsteht eine wüstenähnliche Farbfläche, die gerade soviele "Farboasen" übriglässt, wie sie für ihr optisches Überleben braucht. Der schichtenweisen getrennte Farbauftrag erinnert an graphische Techniken wie Lithographie und Serigraphie. Aus der tatsächlichen Beschäftigung mit diesen Medien erzielt der Maler eine entsprechend harte Kontrastskal, die irgendwie an städtische Lichtschatten-spiele oder auch Wüste-Oase - Grenzen erinnert. Dem ganzen scheint eine Farberfahrung zugrunde zu liegen, die man bei amerikanischen Malern oft sehen kann: reinbunte helle Farben, die auf den ersten Blick zwar hart aufeinanderprallen, jedoch in der Flächenausdehnung sensibel dimensioniert sind .Es enstehen so ausdrucksvolle Farbklänge. Die Reliefstrukturen aus Gips oder dick zugemalter Farbstriemen vermitteln oft eine erdige Wirkung. Fast immer scheinen die Schlussflächen das Chaos des Untergrundes regelrecht zu organisieren und zu disziplinieren.
Beim Betrachten der Bilder folgt dem ersten Eindruck großzügiger Flächen ein weiterer, der die unglaublich vielen Arbeitsschritte am Bild verrät: die Vielfalt der Micro-Flächen, die das Bild belebt. Dabei erzeugen die Großflächen eine fast minimale, aber farblich suggestive Wirkung der Bilder.
Seine Beschäftigung mit der modernen amerikanischen Malerei ermöglicht es dem Maler, eigenwillige Symbiosen zwischen der arabischen Ästhetik und dem "all over", dem "action painting" aber auch "hard-edge"und "colour field" herzustellen. Die Entwicklung zur unverwechselbaren Authentizität seiner Bilder hat eine Vorgeschichte der Anlehnung an algerische Maler mit ihren farblich lebhaften Chiffren, über halbfigurativen, halbabstrakten surrealistischen Darstellungsform bishin zur großflächig-gestischen Malweise.

 
Hans Greinert Künstler  

Labyrinthe  
Bei der Betrachtung der Bilder von Saïd Kahla habe ich den Eindruck, die Fülle mit zart-seidigen Strichen abgeschürfter Labyrinthe wieder zu entdecken Die Formen entschweifen der Leinwand, beleben die Sensualität, um dann in das Nichts zu gleiten. Saïd Kahlas Werk beinhaltet eine Entwicklung vom Mentalen zum Organischen und einen Einschlag ins Paradoxe, der einen Spalt freigibt in die Unermesslichkeit von Zeit und Raum, zur Entfaltung einer unbändigen, sufistischen Freude, wie sie der große Maler Ahmed Cherkaoui, passionierter Leser von Ibn Arabi, verstanden hat. Eine mystische Freude, die sich aus der Unmittelbarkeit des Alltäglichen, des Banalen nährt, sowie aus der Verzückung einer Jahrtausende alten, verwurzelten, zugleich körperlichen und bissigen kollektiven menschlichen Geschichte. Es erfolgt eine sorgfältige Bestandsaufnahme wo eine Linie zu ziehen, ein Zeichen zu setzen ist, die Formen und Konturen des Seins und der Welt zu ziehen, dies ist eine Art und Weise, die schlüpfrigen und fliehenden Elemente einer komatösen Realität zu kennzeichnen. Auf einigen Bildern gibt es Spuren wie von Blutunterlaufenen Flecken zwischen Mascara-Blau und Karbidweiß, Farben die uns in unserer Kindheit entzückten. Gewisse Rosttöne, ein gewisses Umbra, gewisse Brauntöne scheinen eine bildhafte Metallurgie zu bilden, die das Wissen und die Passion der Welt kennzeichnet. Es ist die diskrete und großherzige Art von Kahla, angesichts dieser wunderbaren Kraft, die uns auf unbegrenzte Weise bewegt.
 
Rachid Boudjedra 1999
Schriftsteller

aus dem Französischen
Alicja Heise
 

Mondsteine  
Die Kunst diene zur Erfindung der Wahrheit, sagte Wolfgang Hildesheimer, aber ich möchte Sie belügen, einen Zauber erschaffen und Sie auf Reisen mitnehmen, denn die Trockenheit der Worte wiegt schwer auf mir. Ich verkehre mit Künstlern, weil ich weder dumm noch unglücklich sterben will; denn es gibt nichts Schlimmeres als von der Langeweile derjenigen begleitet zu werden, die denken, die Malerei sei ein Schauspiel.
Gehen wir, verlassen wir einen Augenblick lang die nüchternen Stätten der Bequemlichkeit, und gehen wir auf Wege, die die Höhen der Helligkeit erstürmen.
Ich muss Ihnen etwas gestehen, ich habe keine Ahnung von Malerei. Ich stamme aus einer trockenen Erde, aus einer Welt von Töpfern und Webern, Jongleuren und Barden, die nicht die steilen Berge sondern die Mauern der Worte erklimmen, einer Welt, wo jeder Teppich die Flucht der Zeit beschwört, dieses Luftschiffes, auf dem unsere Erinnerungen treiben. Als ich in meiner Kindheit, noch ohne Erinnerungen war, da genügte es, dass ich mich auf eine von meiner Mutter gewebte Decke hinsetzte, um in Verzauberung zu verfallen. Der Realität entrückt, der Welt entrissen landete ich auf dem Ufer der Zeichen, um meinen Rausch mit den Sternen zu teilen.
Als ich eines Tages aus einer dieser Entdeckungsreisen heimkam, begegnete ich Saïd, der nie aus diesen Reisen zurückkehrte, über die Ihre Augen staunen würden, Augen, die sich erinnern und mit dieser Glut gefüllt sind, die nur die Kometen Ihnen geben können.
Was machen ein Worteverteiler und ein Zeichenmacher, wenn sie sich entdecken? Aus einem mit Mondsteinen eingefassten feuchten Ast bauen sie ein Haus. In dieses Reich lade ich Sie ein, denn Saïd hat mich geehrt, indem er mir dessen Schlüssel anvertraut hat.
Seien Sie mir nicht böse, wenn mein Gedächtnis mich manchmal im Stich lässt, denn ich bin sehr alt, obwohl ich ein Kind geblieben bin, mein Alter ist ungewöhnlich, es ist ein von Reiseschwindel und Erschütterungen ausgelöstes Alter.

Ich bin eigentlich ein Nomade, deshalb bewegt mich diese Malerei so, und ich bin von ihr erfüllt. Die Nomaden machen aus jedem Rastplatz eine Bleibe, und auch hier, in diesen Farben, die die Abwesenheit und das Anderswo bekunden, ist meine Heimat. Es ist das Land des Teilens und der Großzügigkeit, aber nicht nur; denn in dieser Bewegung, in diesem Hin und Her zwischen den Vorzeichen der Geburt des Feuers und der Leidenschaft ist eine Kunst, die sich verfeinert und ausbreitet, nicht wie eine Botschaft - welch ein grober Begriff -, sondern wie ein aus der Substanz der Menschheit entnommenes Fluidum.
Darstellung des Minerals, des aus all seinen Verletzungen durchsickernden abwesenden Körpers, aber auch Darstellung der geschlossenen, umzingelten, abgeriegelten Stadt, die mit ihren blinden Fenstern und ins Nirgendswohin führenden Brücken scheinbar den Einblick verwehren. Da Saïds Malerei nichts von Geschichte weiß, erfindet sie die Wahrheit. Man wird vergeblich nach Verbindungen, Verwandtschaften, zu anderen Geheimnissen führenden Adern suchen, man wird vergeblich Wege zeichnen und Stege zu anderen Forschungen, anderen Orten, anderen Blicken schlagen.
Was soll's, ich habe Sie gewarnt. Ich weiß von einem Werk nur das, was mich bewegt. Ich habe nicht von dem Schmerz gesprochen, diesem hemmungslosen Wort, das Mitleid erregt; in dieser Verflechtung der Wurzeln, in diesen rasenden Pinselstrichen, die die Farben der Zärtlichkeit darbieten, gibt es aber einen Schrei, eine Wut, ein gleichsam gedämpftes Ächzen, die uns aufrufen und in die Windungen der Höhlen führen.
Werde ich Ihnen eines Tages sagen, dass ich die Maler mit ihren Launen und ihrem umwerfenden Verlangen, Gott nachzuahmen, beneide? Dieser Traum hat nichts Maßloses.
Jede Kunst ist der Gesang der nicht erfüllten Welt, eine Gebärde und eine Opfergabe. Und jedesmal, wenn mein Blick auf die ruckartige oder umfangreiche Bewegung einer schaffenden Hand fällt, frage ich mich, welcher Gewinn der unsere sein wird, wenn wir eines Tages aufhörten, ständig nach dem Anderswohin zu trachten, um in unserer Suche nach Licht und Schönheit den Menschen näher zu stehen.
Ich habe Sie eingeladen auf Entdeckungsreise zu gehen, ohne Ihnen zu sagen, dass sie erst beginnt. Also begleiten Sie mich und machen wir uns von Hafen zu Hafen auf die Suche. Ein Künstler wartet auf uns.

 
Hamid Skif 1999
Algerischer Journalist und Schriftsteller

aus dem Französischen
Annissa Kahla
 

Türen des Verlangens  
Angelehnte Türen - geschlossene Türen. Türen des Verlangens und zum Aufbruch geöffnete Türen. Ein Anderswohin ist möglich. Die Vorstellung ist da. Es genügt, den Türflügel aufzustoßen und den Schritt zu tun. Türen gegen das Vergessen, denn jede verschlossene Tür bedeutet den Weg des Todes.

Saïd Kahla weist das Vergessen zurück, deshalb haben seine Türen eine verwegene Ausstrahlungskraft. Sie sind seine Heimathäfen, ein Spalt, der die Dunkelheit der Nacht erhellt. Rechtecke aus Licht gemeißelt in der dunklen Masse seelenloser Städte. Hoffnungslose Rufe, die dem Schweigen trotzen, öffnen die Fenster ihre kalten Herzen dem Verlangen und erzählen von vertrauten Einsamkeiten.

Saïd Kahla erzählt keine Legenden, oder nur wenig. Man stolpert, weil man unbedingt hindurch blicken will, denn diese auf die Leinwand gestreuten Lichtflecke spielen das Spiel des Halbdunkels. Sie sind die Kulissen eines Schattentheaters, das mehr suggeriert als es zum Ausdruck bringt. Die einzigen Anekdoten führen in die Kindheit zurück: Magische Bilder, in denen sich Webraster und die phantastische Geometrie eines tätowierten Gedächtnisses mischen. Zwei Alter, zwei Länder, zwei Gedächtnisse. Das Fortschreiten unterdrückter Zärtlichkeit und Gewalt, Trennungen, die zu deutlich und zu heftig sind, um abgeschlossen zu sein. Der Zweifel ist dauerhaft. Beklemmung perlt herab, nun wie kann man ohne Verzagtheit schaffen, wie kann man schaffen, ohne zu schreien? Dennoch hört man nichts von dem Getöse des Zusammenpralls beider Kulturen, beider Lichter, das eine grell und gewaltig, das andere fahl und grau und wie besänftigt. Was sucht er denn, dieser Maler der Junktion, kühner Lehrling des Gedächtnisses? Reisender ohne Fesseln - er kommt aus einem Land von Nomaden, die den Jahrhunderten huldigen und sich weigern in deren Fallen zu geraten - da ist er, herunterpurzelnd und fortschreitend in die unendliche Tiefe der Farben. Die Zeit der Latenz ist vorbei, er lässt seine Werke das Requiem der toten Städte beten und schwingt sich, freier als sonst, in noch zu erdichtende Himmel empor.

Ich bin Saïd Kahlas Malerei an einem Abend vor Jahresende begegnet. Sie hat mich ausgefragt, bevor sie mich ansprach. Ich habe mich von ihr entfernt, dann bin ich zu ihr zurückgekehrt, um zu versuchen die geheimen Knoten ihrer Geschichte zu entwirren, denn jede Kunst hat ihre eigene Geschichte; schwatzhaft oder schweigsam, frisch und hell wie ein Vogelgesang an der Schwelle des Frühlings, oder dunkel wie schwindelerregende Rezitative. Ich gebe zu, ich bin geteilter Meinung. Da verdeckt der Schnee die Flamme, das Feuer lodert unter der Asche. Nach und nach wächst diese Malerei, die Formate auch, und breitet, ohne störende Unebenheit, die Klarheit der verblühten Farben aus. Das Feuer ist nicht da. Es ist in Euren ergründenden Augen und singt die Litanei der Wachträume. Besucher der Nacht oder der Morgendämmerung, nehmt doch das Herz als Führer und lasst Euch auf die Pfade führen, die der Pinsel eines Malers des in Eurem Wesen gegenwärtigen Anderswohin zeichnet. Er teilt Euch nichts Anderes mit als das Seufzen der Brüchigen und ein wenig Freude, um Eure Verletzungen zu heilen.
 
Hamid Skif
Algerischer Journalist und Schriftsteller

aus dem Französischen
Annissa Kahla
 

 

Said Kahla – Maler der Wüste, der leuchtenden Städte
und der explodierenden Sonnen

 

Bunte, manchmal sogar regelrecht knallige Farben (lila, rosa, türkis), krasse Kontraste, aber auch Verschattungen und Eindunklungen, vieles Ungegenständliche, aber immer wieder  Wirklichkeitsfragmente, klare statische Vereinfachungen und andererseits wie Chaosbeschwörungen wirkende wilde Bewegtheit in Bildern wie „Couleurs d’été“ („Farben des Sommers“) und „Soleils éclatés“ („Explodierte Sonnen“) – die Malerei von Said Kahla ist voller offener Gegensätze .
Auch der Mensch Said Kahla ist reich an Facetten und Unterschieden. 1950 in Straßburg geboren, in Algerien aufgewachsen. Seit 1990 lebt er im Donnersbergkreis.
Das Ultra-Laufen jenseits der Marathonstrecke war für Said Kahla dabei eine harte und gute Schule. Immer wieder hat er sich dabei großen Herausforderungen gestellt.  So hat er im Juli 2004 und 2005  - also mit Mitte fünfzig – zweimal erfolgreich den wohl härtesten Ultramarathon der Welt im kalifornischen Death Valley absolviert: 135 Meilen (217 km) bei glühender Hitze (bis 60 Grad) und  5300 Metern Höhendifferenz . Manchmal wird die eher langsame, aber dafür lang anhaltende Bewegung des Laufens in den Bildern Said Kahlas sogar direkt thematisiert wie im  „Cityläufer“ von 2007.

In der Malerei Said Kahlas spielen Kreise,  Räder und Spiralen eine große Rolle – Sinn-Bilder der Bewegung und ewigen Wiederkehr. Immer wieder finden sich dekorativ-ornamentale Elemente, die eine Beziehung zur arabischen Tradition der Kalligraphie, der Teppichmuster und der Wandverzierungen haben, in denen aber zugleich eine sozusagen „deutsch-französische“ rationale Strukturiertheit in das scheinbare Chaos des freien Spiels der Gestalten gebracht wird. Geometrisches bildet den Kontrapunkt zu runden Formen; Bänder, Schwünge, Bewegungen greifen ineinander und prallen aufeinander. In „Souvenir“ („Erinnerung“) sind inmitten starker Farben plötzlich kleine Dinge zu entdecken: eine Brille und etwas, das ein Herz sein könnte. Dann wieder finden sich Anklänge an Städte oder uralte Muster, vor allem aus der Berber-Tradition. Die „Khomsa“, die Hand mit den fünf Fingern, taucht auf als uraltes mythisches Symbol, das als „Hand der Fatima“ und Amulett gegen den bösen Blick in den islamischen Volksglauben übergegangen ist. Im „Signe berbère“ („Berberzeichen“) von  2009 symbolisieren das Ocker des Sandes und das Schwarz des Steins die Erde Afrikas, während die Bögen und Brücken für die Freiheit und das Unendliche stehen. Im „Desert Panorama“ („Wüstenpanorama“) sieht man in der Mitte die braunen Felsen, auf den Horizont zulaufend, rechts und links den hellgelben Sand, darüber das Blau des Himmels. Gemalt ist das nicht in glatten ungegliederten Flächen, sondern mit feinen Abstufungen von Schwarz und Weiß als Binnengliederung, als Struktur in der Mannigfaltigkeit.

So wie die deutschen Expressionisten von den außereuropäischen „Primitiven“ lernten, hat sich Said Kahla manches von der naiven Kunst und von Kinderzeichnungen angeeignet – etwa bei der Auflösung der Wirklichkeit durch eingestreute Wirklichkeitsfragmente und bei der Auflösung der gewohnten Dreidimensionalität und Perspektive. Seine „Territoires urbanes“ („Städtische Gebiete“) und seine Wüstenpanoramen zeigen Einbettung und Einsamkeit, Fülle und Reduzierung, die reine leere Landschaft und die Stadt als eine andere Art von Landschaft. Die Fassaden der Städte sind voller Fenster und werfen die unlösbare Frage nach dem „Dahinter“ auf; die Durchblicke offenbaren mal Leere, mal Überraschungen und Exotisches bis Unmögliches. „L’Arche“ („Der Brückenbogen“, das Wort bedeutet auch „Die Arche“) hat  etwas Ruhig-Umfangendes. Die Durch-Sicht durch den Bogen könnte vom Fluß davor auf das nahe Meer oder vom Rhein auf die Küste Algeriens gehen. Das  Meer, die  Sonne, ein kräftig gelbes  Licht sind da: Andeutungen, Verrätselungen, Spiralen, Untersee-Traum-Räume voller ungewohnter und  ungewöhnlicher Farben. „Les rouages du temps“ („Das Räderwerk der Zeit“) von 2010 ist geprägt von einem farbstarken, fröhlichen Durcheinander, das seine eigene Ordnung hat: Das Verschlungen-Werden durch den Ablauf der Zeit trifft auf das Sich-Ineinander-Verschlingen in einem ewigen Flecht- und Netzwerk. In „Soleils“ („Sonnen“) finden sich mehrere schwarz umrandete Vierecke mit vagem Inhalt in Grün, Blau, Gelb und Rosa  - es läßt sich nicht definitiv sagen, ob es sich um gerahmte Kunstwerke, Fenster oder  umrandete Beete handelt. Auch das Bild „Symboles“ („Symbole“) ist verrätselt, enthält bei sparsamen Einsatz der Farben (ein mattes Grün und Weiß) viele kleine Zeichen, während oben ein tiefes heiliges Blau über allem zu schweben scheint. Bild-Frage-Zeichen, Andeutungen, Querverbindungen gehören eben notwendig zu dieser reichen und faszinierenden Kunst. Die coincidentia oppositorum, das Zusammenkommen der Antagonismen, ist unter- und hintergründig vorhanden, nur liegt sie nicht auf der Hand und verweigert sich einer billigen Versöhnlichkeit. Aber Said Kahla beweist durch seine Person und sein Werk, daß und wie Integration verschiedener kultureller Identitäten möglich ist. Schnell und leicht ist diese Neuvereinigung des Gegensätzlichen allerdings niemals zu haben, sondern nur in einem langen, strapaziösen und gewundenen Lebens-Lauf.

1                Bei der KUNSTGEFLECHT-Veranstaltung „RHEIN! DREI –  Wortkunst und Musik “ am 28. 10. 2011 in Siegburg zeigte Said Kahla einige seiner Bilder und sprach über seine Arbeiten und über seine Lauf-Leidenschaft.

2              Etliche Gemälde sind auf der Netzseite www.kahla-art.com zu finden.

3              2005 benötigte er dafür 38 Stunden und war Dritter unter 12 ins Ziel gekommenen Deutschen.


 
Rolf Stolz